140 Jahre Theater Döbeln

Die Kulturverbundenheit der Döbelner Bürger ist weithin bekannt: Seit Ende des 16. Jahrhunderts gab es die „Stadtpfeifer“, aus denen sich das städtische Orchester entwickelte, und seit Mitte des 18. Jahrhunderts sind Theateraufführungen zunächst in einem Saal des Rathauses nachgewiesen. 1819 wurde der verfallende, nicht mehr genutzte Marstall zu einem „Comödiensaal“ umgebaut; hier gastierten die Theatergesellschaften und boten Schauspiel- wie Musiktheateraufführungen.

Der industrielle Aufschwung der Stadt nach der deutschen Reichsgründung 1871 erforderte neue Verkehrswege – der Marstall musste der Bahnhofstraße weichen. Doch die Döbelner Stadtväter wollten nicht auf ein Theatergebäude verzichten. Sie entschieden sich an Stelle des Marstalls für einen anspruchsvollen Neubau. 1872 war die Stadt um eine bedeutende Sehenswürdigkeit reicher! Das elegante Döbelner Theater brauchte den Vergleich mit Bühnenhäusern in größeren Städten nicht zu scheuen. Es war bereits mit moderner Gasbeleuchtung ausgestattet und hatte Zentralheizung.

Ein Brand 1911 beschädigte das Haus erheblich. Wieder hatte sich die Stadtverwaltung für oder gegen ein eigenes Theater zu entscheiden – wieder stellte sie entschlossen erhebliche Mittel für seine Sanierung zur Verfügung. Für die wünschenswerte Erweiterung des Gebäudes gab es in der Nachbarschaft keinen Platz, immerhin wurde das Bühnenhaus aufgestockt, ein Mansardendach aufgesetzt und die Bühnentechnik verbessert. Nach wiederum kurzer Bauzeit konnte 1912 das neue Theater festlich eröffnet werden.

1933 ging das bis dahin an private Unternehmer vergebene Döbelner Theater in städtische Regie über. 1954 wurde das „Stadt-“ zum „Kreistheater“. Als der Kreistag nach der Wiedervereinigung Deutschlands vielfältige finanzielle Probleme zu bewältigen hatte, votierten 1992 die Kreisräte gegen den heftigen Widerstand der Theaterfreunde für die Schließung des Theaters.

Der Vorhang blieb jedoch nur wenige Monate geschlossen. Zum dritten Mal in der Döbelner Theatergeschichte entschied sich die Stadtverwaltung für den Erhalt der Bühne. Die Stadt wurde Gesellschafter in der neu gegründeten Mittelsächsischen Theater und Philharmonie gGmbH.

Das langfristige Engagement der Stadt Döbeln für ihr Stadttheater beweist auch der 2007 eröffnete moderne Anbau, der einen Kontrapunkt zum historischen Gebäude setzt und neben Studiobühne und Seitenbühne moderne Künstlergarderoben, Werkstätten und Lagerräume bietet. Darüber hinaus ist durch die stilvolle Verbindung zwischen alter und neuer Architektur ein Theaterhof entstanden, in dem im Sommer Kaffee und Kuchen gereicht wird und Kleinprogramme stattfinden. Zur Spielzeiteröffnung lädt hier der Förderverein des Döbelner Theaters zum Theaterfrühstück ein, bei dem Interessierte mit Ensemblemitgliedern schlemmen und plaudern können.

Seit Anfang März 2011 und bis zum Ende der Spielzeit 2011/12 ist das Döbelner Theater wieder eine Großbaustelle: Dringend nötige Arbeiten im Zuschauersaal können nun endlich ausgeführt werden– ein eindrucksvolles Bekenntnis der Döbelner Stadträte zu ihrem Theater, das sich dann ab September 2012 so schön wie nie zuvor präsentiert.
Obwohl der große Theatersaal nicht genutzt werden kann, wird das Mittelsächsische Theater in der gesamten Bauzeit für seine Besucher auch in Döbeln da sein. Wir warten auf der 2007 neu eröffneten Studiobühne, dem „Theater im Bürgerhaus“(TiB) mit eigenen Angeboten wie „Baustellenkonzerten“auf. Einige Bühnenproduktionen werden zudem extra für das TiB angepasst, damit auch das Döbelner Publikum sie sehen kann. Die Sinfoniekonzerte finden seit September im Döbelner Tanzhaus „Central“ statt, das Weihnachtsmärchen war im Volkshaus zu erleben. Es gibt also viele Gründe, das Döbelner Theater zu besuchen – gerade während der Zeit der Großbaustelle.

Zu Beginn der Spielzeit 2012/2013 wird das Theater Döbeln festlich wieder eröffnet.

Zwei besondere künstlerische Höhepunkte aus der langjährigen Theatergeschichte seien zum Abschluss noch genannt: 1929 wurde im Döbelner Theater eine Neufassung von Paul Linkes „Frau Luna“ uraufgeführt, in der erstmals das Lied „Berliner Luft“ in heutiger Form zu Gehör kam. Und Mitte der 60er Jahre startete der frisch aus Bulgarien nach Deutschland engagierte Tenor Spas Wenkoff von Döbeln aus seine Weltkarriere, die ihn an die Staatsopern in Berlin und Wien, die New Yorker Met und die Mailänder Scala, die Bayreuther und Salzburger Festspiele führte.